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Warum Colocation-Anbieter grün werden müssen (TEIL 1)

Die Digitalisierung schreitet voran und der Bedarf an Rechenzentrumskapazitäten wächst. Gleichzeitig wird der Ruf nach nachhaltigen Branchenkonzepten immer lauter. Insbesondere Colocation-Anbieter sehen sich mit der Forderung nach mehr Nachhaltigkeit konfrontiert. Zu einem Teil haben sie darauf auch bereits reagiert, wie eine Umfrage von 451 Research belegt. Die von Schneider Electric in Auftrag gegebene Untersuchung „Multi-Tenant Datacenter and Sustainability“ widmet sich den Auswirkungen von Effizienz und Nachhaltigkeit auf das Cloud- und Service-Provider-Geschäft. Laut dieser Studie verfügen bereits 43 Prozent der Betreiber von Multi-Tenant-Datacenter über ein umfassendes Nachhaltigkeitsprogramm, um die Konzeption, den Bau und den Betrieb ihrer Rechenzentren zu verbessern. Ein Trend, der sich laut einhelliger Expertenmeinung weiter fortsetzen wird. Ausschlaggebend dafür sind vier Schlüsselfaktoren, die wir Ihnen in diesem mehrteiligen Beitrag vorstellen möchten:
1. Kundenanforderungen
2. Gesetzliche Vorschriften
3. Wirtschaftlicher Erfolg
4. Investitionen und staatliche Förderung

Der Kunde fordert ein nachhaltiges Unternehmen

Einer der Hauptgründe sich für einen nachhaltigen Rechenzentrumsbetrieb einzusetzen ist, laut der Studie von 451 Research, auf direkte Kundenanforderungen zurückzuführen. Tatsächlich verpflichten sich immer mehr Unternehmen im Rahmen ihrer ESG-Programme (Environmental, Social and Governance) zu einer nachhaltigen Unternehmensführung, etwa zum Ziel einer Netto-Emission von Null (engl. = Net Zero) oder einer effizienteren Ressourcennutzung. Diese Anforderungen betreffen nicht nur ein Unternehmen selbst, vergleichbare Anstrengungen werden in der Regel auch von ihrem Umfeld, von Dienstleistern oder Zulieferern gefordert.
Wollen Unternehmen ihre eigenen, ehrgeizigen Ziele in Richtung Umweltschutz erreichen, betrifft dies auch Colocation-Anbieter. Denn bei der Bilanzierung der CO2-Emission werden auch die Emissionswerte ihrer Rechenzentren offengelegt. Die Anforderungen von Kunden an ihren Colocation-Anbieter beschränken sich jedoch nicht nur auf eine Reduktion der Luftverunreinigung, sie umfassen zahlreiche Aspekte der Nachhaltigkeit – von Ansätzen der Kreislaufwirtschaft bis hin zu speziellen Recyclingprogrammen. Grundsätzlich gilt für die Betreiber der Rechenzentren daher: Je umweltbewusster, desto besser für die Kundenbindung und Neukundengewinnung.

Die Gesetzgebung als Katalysator

Auch vonseiten des Gesetzgebers wächst der Druck auf die RZ-Branche: Gesetzliche Vorschriften – auf Bundesebene und europäischer Ebene – erfordern im Rahmen der Emissionsreduktion nicht nur den Umstieg auf nachhaltige Energiequellen, sondern verpflichten Datacenter-Betreiber auch zunehmend zu einer Steigerung der Energieeffizienz sowie einer Abkehr von potenziell umweltschädlichen Kältemitteln und Isoliergasen.
So hat das umstrittene Fluorkohlenwasserstoff, das in den HLK-Systemen von Gewerbe-, Wohn- und Industriegebäuden als Kältemittel zum Einsatz kommt, ein sehr hohes Treibhauspotenzial. Mit der F-Gase-Verordnung (EU-Verordnung 517/2014), soll daher im Rahmen der EU-Klimaziele bis 2030 die Emissionen der fluorierten Treibhausgase (F-Gase) in festgelegten Stufen eindämmt werden. Dazu wird die Menge der F-Gase aus dem Jahr 2015 als Richtwert herangezogen – zur Vereinheitlichung wird das sogenannte Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP) als CO2-Äquivalent zur Klassifikation von Kältemitteln verwendet. Multilaterale Umweltabkommen wie das Montreal Protokoll erhöhen zusätzlich den Druck und treiben die schrittweise Reduzierung (Phase Down) der auf dem Markt verfügbaren teilfluorierten Kohlenwasserstoffe weiter voran.
Indessen ist die Verwendung eines der stärksten Treibhausgase, das als Isoliergas in elektrischen Schaltanlagen verwendete Schwefelhexafluorid (SF6), in Deutschland bereits teilweise verboten. Über ein generelles Verbot auf europäischer Ebene wird derzeit diskutiert. Das ist nicht weiter verwunderlich: Immerhin trägt die Emission eines Kilogramms SF6 genauso viel zum Klimawandel bei, wie 22.800 Kilogramm Kohlendioxid (CO2). Um die künftigen gesetzlichen Vorschriften einzuhalten, haben Anbieter daher bereits vor einigen Jahren damit begonnen, SF6-freie Mittelspannungsschaltanlagen zu entwickeln.

Zwischenfazit:

Auch in der Datacenter-Branche spielt das Thema der Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Insbesondere Colocation-Anbieter geraten dadurch zunehmend unter Druck. Umweltbewusste Kunden verlangen von den RZ-Betreibern genaue Angaben zu ihren Umweltprogrammen und knüpfen sogar die Zusammenarbeit an ein Nachhaltigkeitskonzept. Zusätzlich erhöhen gesetzliche Bestimmungen den Druck, indem sie die Umsetzung nachhaltiger Alternativlösungen forcieren. Die gute Nachricht dabei: Es ist für Colocation-Anbieter nicht nur notwendig, sich zu mehr Nachhaltigkeit zu verpflichten, es ist auch lukrativ.

Mehr dazu in zweiten Teil: „So lukrativ ist Umweltbewusstsein für Colocation-Anbieter (TEIL 2)“

Detailliertere Informationen dazu gibt es im White Paper „Warum Datacenter der ökologischen Nachhaltigkeit Vorrang einräumen müssen: Vier Schlüsselfaktoren” unter: https://download.schneider-electric.com/files?p_enDocType=White+Paper&p_File_Name=WP64_V1_DE.pdf&p_Doc_Ref=SPD_WP64_DE

Mehr zu SF6-freien MV-Schaltanlagen gibt es außerdem hier: https://www.se.com/de/de/about-us/contests/local/outlook/solutions/datacenter/sf6-free-mv-switchgear-a-contributing-factor.jsp

 


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