Schaltschränke sind das Herz jeder Produktionsanlage; ihre Zuverlässigkeit entscheidet über einen störungsfreien Betrieb. Entsprechend anspruchsvoll ist die Verdrahtung im Inneren: sie muss schnell montiert werden und dauerhaft sicher funktionieren.
Klassische Schraubanschlüsse sind dabei sowohl zeitintensiv als auch vibrationsanfällig. Allein das Anschließen eines Leiters kann bis zu 30 Sekunden dauern, und Erschütterungen im Betrieb können dazu führen, dass sich Schrauben lösen und Kontaktkräfte nachlassen. Snap‑In‑Anschlüsse bieten hier gleich zwei Vorteile:
Sie beschleunigen die Verdrahtung deutlich und gewährleisten zugleich eine dauerhaft vibrationsbeständige Verbindung. Zusätzliche Prüfungen und Nacharbeiten entfallen weitgehend.
Schneller verdrahten ohne Schraubendreher
Aus diesem Grund kommt in der TeSys Deca-Baureihe die sogenannte SNAP IN Technik von Weidmüller zum Einsatz. Konkret geht es um eine neue Art, Motorschutzschalter und Schütze anzuschließen. Das hörbare Klicken beim Einstecken macht den Anschluss unmittelbar kontrollierbar. Der Anschluss erfolgt einfach, indem der Leiter in die vorgesehene Öffnung gesteckt wird. Das Besondere: Die Technik ist für unterschiedliche Leiterarten – mit oder ohne Aderendhülse, starr oder ultraschallverdichtet – ausgelegt und nimmt damit Rücksicht auf die Praxis im Schaltschrankbau.
Klick! Das akustische und haptische Feedback gibt sofort Sicherheit, dass der Leiter korrekt angeschlossen ist. Ganz ohne Nachziehen. „Somit sind falsche Verdrahtungen nahezu unmöglich, und auch ein enormer Zeitgewinn geht damit einher“, erklärt Martin Koch, Senior Offer Manager bei Schneider Electric.
Diese neue Technik baut auf bestehenden Anschlusssystemen wie Federzug- und Push-in-Klemmen auf, die sich in der Praxis bereits vielfach bewährt haben. TeSys Deca SNAP IN geht dabei einen Schritt weiter: Die Anschlussart kombiniert die werkzeuglose Installation mit einer akustischen und haptischen Rückmeldung sowie der Möglichkeit, alle Leiterarten direkt anzuschließen und schafft damit zusätzliche Sicherheit und Zeitersparnis im Schaltschrankbau.
In Sekunden verdrahtet – und bereit für die Automatisierung
Ganz ohne Werkzeug geht es allerdings nicht. Für das Entfernen der Leiter wird ein 2,5 mm breiter Schraubendreher verwendet. Dennoch ist beispielsweise eine Überprüfung, ob ein Kontaktschluss korrekt ist, bei TeSys Deca SNAP IN denkbar einfach.
Zurück zum zeitlichen Aspekt: Wie eingangs erwähnt, dauert ein herkömmlicher Anschluss bis zu 30 Sekunden. Mit der SNAP IN Technologie erfolgt der Anschluss innerhalb von zwei Sekunden. Ein weiterer Vorteil ist, dass dieses federbasierte Klemmsystem vor Vibrationen im Betrieb geschützt ist, da die verwendeten Federn so stark anziehen, dass sich die Kontakte nicht lösen können.
Die SNAP IN Technologie wurde mit Blick auf eine automatisierte Zukunft entwickelt. TeSys Deca SNAP IN Produkte von Schneider Electric sind die erste vollautomatisch verdrahtbare Schütztechnik, die sich beispielsweise mithilfe der Lexium-Cobot-Roboterarme aus gleichem Haus anschließen lässt.
Vom Schaltschrankinneren zur Bedienoberfläche
Doch Effizienz im Schaltschrank endet nicht bei der Verdrahtung im Inneren. Auch an der Bedienoberfläche – also dort, wo Mensch und Maschine interagieren – gibt es entscheidende Optimierungspotenziale.
Drucktaster bewältigen täglich unzählige Betätigungen und sollen dabei eindeutig, robust und schnell zu montieren sein. Die Harmony-Reihe deckt im Bereich der Befehls- und Meldegeräte verschiedene Anforderungen ab. Welche Besonderheiten es dabei gibt, weiß Fabian Wolf, Produktmanager Core DACH (Befehls- und Meldegeräte) bei Schneider Electric.
„In der Harmony-Serie gibt es drei Bereiche, die für Schaltschrankbauer interessant sind: Control, Relays und Signaling. Im Vergleich zur Investition einer Maschine sind Drucktaster finanziell oft nicht wirklich relevant, allerdings haben sie eine tragende Rolle. Wenn der Schalter ausfällt, wirkt sich das auf den gesamten Betriebsablauf der Maschine aus. Deshalb ist ein wichtiges Kriterium die Robustheit“, erläutert Wolf.
Drucktaster, die sich an jede Anwendung anpassen
Die Drucktaster erfüllen internationale Richtlinien, weisen hohe Schutzarten auf und können bei extremen Temperaturen im Bereich von −40 °C bis +70 °C eingesetzt werden. Je nach Bedarf sind sie in Metall- oder Kunststoffausführung erhältlich. Zudem können sie individuell angepasst werden. Bereits ab einer Stückzahl von 1 können Kunden die Drucktaster mit einem eigenen Design versehen. Dabei kann online ein Konfigurator verwendet werden.
Werkzeuglos verdrahten mit Push-in
Während SNAP IN vor allem im Inneren des Schaltschranks Vorteile bietet, kommt die Push-in-Technik insbesondere bei Befehls- und Meldegeräten zum Einsatz. Der Kontaktblock beim Drucktaster ist noch kürzer in der Tiefe und nimmt dadurch weniger Raum ein. Dadurch wird die Höhe hinter dem Panel um bis zu 37 % reduziert. Damit lassen sich Montagezeiten verkürzen, Serviceeinsätze vereinfachen und Stillstandzeiten reduzieren.
Signalisierung flexibel und modular gestalten
Auch bei der Signalisierung geht es längst nicht mehr nur um Standardlösungen. Modular aufgebaute Leuchtsäulen schaffen mehr Flexibilität – gerade dann, wenn Maschinen und Anlagen unterschiedliche Anforderungen mitbringen.
Montagearten, Leuchtelemente, Soundmodule und Signalleuchten lassen sich bedarfsgerecht kombinieren. Push-In- und M12-Anschlüsse helfen zusätzlich dabei, die Installation spürbar zu beschleunigen.
Die passende Relaislösung für jede Anwendung
„Mit unseren Relais können wir fast einen kompletten Schaltschrank aus Schneider-Technik bieten. Dabei haben wir für unterschiedliche Anforderungen passende Relais“, beschreibt Wolf das Sortiment. Ähnlich zur Aufgabe eines Drucktasters, bloß ohne die Notwendigkeit der manuellen Bedienung, sind elektromechanische Relais.
Je nach Aufgabe kommen unterschiedliche Relaisarten ins Spiel:
- Elektromechanische Relais für klassische Schaltaufgaben
- Halbleiterrelais für hohe Schaltzyklen
- Elektronische Relais zur Überwachung von Parametern
Damit wird aus einzelnen Komponenten ein abgestimmtes System.
Fazit: Effizienz entsteht im Detail
Der größte Hebel liegt oft nicht in der großen Innovation, sondern im kleinen Handgriff. Gerade beim Verdrahten zeigt sich, wie viel Zeit sich mit der richtigen Anschlusstechnik sparen lässt.
SNAP IN beschleunigt nicht nur den Anschluss, sondern macht ihn zugleich robuster und besser kontrollierbar. Und auch an der Bedienoberfläche zeigen moderne Befehls- und Meldegeräte, dass Effizienz dort entsteht, wo Montage, Service und Betrieb zusammengedacht werden.
Für Schaltschrankbauer heißt das unterm Strich: weniger Aufwand, mehr Prozesssicherheit und neue Möglichkeiten – bis hin zur automatisierten Verdrahtung.
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