Warum der industrielle Wandel ein neues Betriebssystem erfordert

Hersteller integrieren heute leistungsstarke neue Technologien in Betriebssysteme, die für eine andere Ära konzipiert wurden. 

Künstliche Intelligenz (KI), fortschrittliche Automatisierung, digitale Plattformen und neue Nachhaltigkeitsanforderungen verändern die Art und Weise, wie Industrieunternehmen arbeiten. Mittlerweile sind Lieferketten stärker vernetzt und weniger vorhersehbar, während die Kunden gleichzeitig mehr Flexibilität und Reaktionsfähigkeit erwarten. 

Diese Veränderungen bringen eine tiefgreifendere Herausforderung ans Licht. Eine Transformation lässt sich nicht allein durch den Einsatz neuer Tools erreichen – sie erfordert eine Weiterentwicklung des Betriebssystems (OS), das Technologie, Mitarbeiter, Lieferketten und Nachhaltigkeit in die täglichen Abläufe des Unternehmens integriert. 

Das ist die Herausforderung, vor der das Weltwirtschaftsforum „Lighthouse Operating System“ des Weltwirtschaftsforums ins Leben gerufen wurde. Die Initiative, die in Zusammenarbeit mit führenden Herstellern entwickelt wurde, zielt darauf ab, die nächste Generation industrieller Betriebssysteme zu definieren, die in der Lage sind, die für die moderne Industrie maßgeblichen Prioritäten zu unterstützen. 

Als Unternehmen, das diese Arbeit mitgestaltet hat und diese Prinzipien in unseren eigenen Geschäftsabläufen anwendet, betrachten wir das Lighthouse OS als ein praktisches Rahmenwerk für die Bewältigung des industriellen Wandels.

Operational Excellence wurde für eine andere Zeit entwickelt 

Seit Jahrzehnten setzen Industrieunternehmen auf Konzepte zur operativen Exzellenz, um Effizienz, Qualität und kontinuierliche Verbesserung voranzutreiben. Diese Systeme wurden für ein Umfeld entwickelt, in dem die Produktionssysteme relativ stabil waren und der Schwerpunkt bei den betrieblichen Prioritäten auf Kosten, Qualität und Produktivität lag. 

Heute hat sich der Umfang der industriellen Aktivitäten jedoch erweitert. Unternehmen müssen gleichzeitig mit Schwankungen in der Lieferkette, Nachhaltigkeitsanforderungen, der digitalen Transformation, dem Wandel in der Belegschaft und sich ändernden Kundenerwartungen fertig werden. 

Dazu ist ein Betriebssystem erforderlich, das in der Lage ist, diese Prioritäten unternehmensweit zu koordinieren. 

Das Ziel des Lighthouse Operating System besteht darin, die Praktiken zu erfassen, die sich in den fortschrittlichsten Industrieunternehmen herausbilden, und diese in ein Rahmenwerk zu übertragen, das andere übernehmen können. Es baut auf jahrzehntelanger operativer Exzellenz auf und passt diese gleichzeitig an die Gegebenheiten der modernen Industrie an. 

Das Rahmenwerk vereint mehrere Bereiche, die heute die industrielle Leistungsfähigkeit bestimmen:

  • Kundenorientierung 
  • Robuste Lieferketten 
  • Mitarbeiterengagement 
  • Nachhaltigkeitsleistung 
  • Integration digitaler Technologien

Was zeichnet die fortschrittlichsten Industrieunternehmen aus? 

Ein wichtiger Punkt wird oft missverstanden: Unternehmen werden nicht allein dadurch zu „Lighthouse“-Standorten, dass sie das Lighthouse-Betriebssystem einsetzen. In der Praxis ist das Gegenteil der Fall. 

Die fortschrittlichsten Industrieunternehmen arbeiten bereits mit einem System – einem klaren Ansatz, um operative Exzellenz, digitale Innovation und Nachhaltigkeit in den täglichen Geschäftsbetrieb zu integrieren. Die Initiative „Lighthouse OS“ trägt dazu bei, diese Muster sichtbar und übertragbar zu machen. 

Die Auswirkungen können erheblich sein. Im gesamten Global Lighthouse Network des Weltwirtschaftsforums berichten Unternehmen, die diese Ansätze umsetzen, von rund 40 % bei der Arbeitsproduktivität und von fast 50 % bei der Verkürzung der Durchlaufzeiten sowie von erheblichen Verbesserungen bei Qualität, Energieeffizienz und Emissionsbilanz.

Wenn es der Transformation an Systematik mangelt 

Bei vielen Transformationsprogrammen sind die ersten Phasen vielversprechend. Die Teams ermitteln schnelle Erfolge, setzen neue Technologien ein und präsentieren erste Ergebnisse. 

Ohne ein leistungsfähiges Betriebssystem lassen sich diese Erfolge jedoch nur schwer aufrechterhalten. 

Unternehmen beobachten oft, dass sich immer wieder dieselben Muster abzeichnen: 

  • Die Initiativen bleiben eher lokal als systemisch 
  • Verbesserungen lassen sich nicht standort- oder geschäftsbereichsübergreifend umsetzen 
  • Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsprogramme entwickeln sich eher getrennt voneinander, anstatt sich gegenseitig zu verstärken 
  • Die anfänglichen Erfolge verblassen, während sich die Aufmerksamkeit auf die nächste Initiative verlagert 

Mit der Zeit lässt die Dynamik nach und der Wandel kommt zum Stillstand. Ein klar definiertes Betriebssystem kann dazu beitragen, dies zu verhindern.

Lernen im industriellen Ökosystem 

Die Initiative „Lighthouse“ schafft einen gemeinsamen Maßstab für den industriellen Wandel. Anstatt dass jede Organisation versucht, ihr eigenes Modell von Grund auf neu zu entwickeln, können Unternehmen von Vorgehensweisen lernen, die bereits in komplexen industriellen Umgebungen umgesetzt und skaliert wurden. 

Hersteller können auf einen wachsenden Schatz an gemeinsamen Erfahrungen zurückgreifen, die von Unternehmen gesammelt wurden, die fortschrittliche Betriebssysteme in realen industriellen Umgebungen entwickelt und weiterentwickelt haben. 

Unternehmen wie Schneider Electric™, das zur Lighthouse-OS-Initiative beiträgt und gleichzeitig mehrere im Global Lighthouse Network anerkannte Standorte betreibt, sehen darin eine Gelegenheit, ihr Fachwissen auszutauschen und ihre eigenen Betriebssysteme kontinuierlich zu verbessern. Wir bringen Perspektiven aus neun Lighthouse-Auszeichnungen, aus der Implementierung von Systemen in Nordamerika, Europa und Asien sowie aus der täglichen Arbeit beim Betrieb großer Anlagen mit. 

Wir bieten Beratung zur Transformation, die auf praktischen Erfahrungen und auf bewährten und validierten theoretischen Erkenntnissen basiert.

Eine langfristige operative Weiterentwicklung 

Der Übergang zu einem stärker integrierten industriellen Betriebssystem wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Ähnlich wie zuvor bei Lean stellt dieser Wandel eine langfristige Entwicklung in der Art und Weise dar, wie Unternehmen über Betriebsabläufe, Technologie und Verbesserungen denken. 

Doch die Richtung wird immer deutlicher: Angesichts wachsender digitaler Möglichkeiten und steigender Nachhaltigkeitsanforderungen benötigen Hersteller Systeme, die diese Prioritäten miteinander verbinden, anstatt sie als getrennte Initiativen zu behandeln. 

Hersteller, die diesen Weg einschlagen, beginnen oft mit drei praktischen Schritten: 

  1. Priorisieren Sie Transformationsbereiche indem Sie ermitteln, wo Lieferkette, Nachhaltigkeit, digitale Kompetenzen und operative Leistung gemeinsam weiterentwickelt werden müssen. 
  1. Organisatorische Silos aufbrechen um sicherzustellen, dass Transformationsinitiativen sich gegenseitig verstärken, anstatt um Aufmerksamkeit zu konkurrieren. 
  1. Bewährte Verfahren systematisch ausweiten, damit frühe Erfolge zum neuen Standard in allen Betriebsabläufen und Lieferketten werden. 

Ein Blick in die Zukunft 

Für die Hersteller stellt sich die Frage, ob ihr Betriebssystem für die heutigen industriellen Anforderungen gerüstet ist. Dies erfordert praktische Einblicke in die Funktionsweise moderner Betriebssysteme, ihre Weiterentwicklung und die Art und Weise, wie sich dies in einer nachhaltigen Leistungsfähigkeit niederschlägt.

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