Elektromobilität

„Wenn es Röhren soll, dann ist E-Mobility das Falsche!“ – Konstantin Elstermann über die Zukunft von Elektromobilität

Konstantin Elstermann ist 34 und überzeugt, dass der große Durchbruch der E-Mobilität noch vor uns liegt. Wo er noch Hürden sieht, und wie Schneider Electric den möglichen Boom unterstützt, erzählt er uns im Interview.

Als Einstieg ein paar Worte zu Ihrer Person. Ihr offizieller Titel lautet vielsagend: Leiter Elektromobilität & Prosumer Region D-A-CH. Was machen Sie eigentlich bei Schneider Electric?

Gute Frage, also: Meine Aufgabe als Leiter für E-Mobility ist, dieses Trendthema zu gestalten. Elektromobilität ist gerade in aller Munde. Schneider Electric hat sich schon vor anderthalb Jahren strategisch mit viel Energie und viel Fokus in dieser Richtung positioniert. Zum einen sind das die Ladesäulen, die einen ganz wichtigen Teil der Mobilitätswende ausmachen. Zum anderen wissen wir natürlich auch, wie der Strom zur Ladesäule kommt, wie der Strom intelligent gemanagt und verteilt wird. Da bietet Schneider Electric alles vom Mittelspannungs-Trafo bis zur Ladesäule.

Und wie kommen Sie da ins Spiel?

Mein Team und ich, wir haben die Aufgabe, die Geschäfte und Entwicklung des Marktes zu unterstützen. Unsere Vertriebler sind jeden Tag bei einer Vielzahl von Kunden. Das sind Energieversorger, Handwerker, Betreiber von Datacentern und so weiter. Und fast alle diese Kunden haben Interesse an Elektromobilität. Der Handwerker, weil er das beim Kunden installieren soll; das Industrieunternehmen, weil es sich eine Ladeinfrastruktur für zehn Standorte aufbaut.

Meine Rolle ist es, den Vertrieb mit technischem Know-how zu unterstützen. Wir gehen gemeinsam zum Kunden und schauen, was die Anforderungen sind, und was wir bieten können. Ziel ist es natürlich, nicht nur die Ladesäule an den Mann zu bringen, sondern die gesamte Lösung zu zeigen, die aus unserem Hause kommt.

„Schließlich muss sich auch Schneider Electric fragen, ob das überhaupt wirtschaftlich ist, da 750 Elektrofahrzeuge stehen zu haben.“

Fahren Sie selbst ein E-Auto?

Es wäre peinlich, wenn ich die Frage verneinen müsste. Ja, ich fahre rein elektrisch und bin sehr zufrieden damit. Grundsätzlich wollen wir uns bei Schneider Electric als Vorreiter voran gehen. Bis 2021 sollen 50 Prozent der Firmenflotte voll elektrifiziert sein. Das sind 750 Fahrzeuge, mit denen unsere Mitarbeiter dann unterwegs sind.

Das beinhaltet natürlich zwei Komponenten: Wir nennen das Erste „Charge@Home“, das ist die Ladesäule für mein Zuhause. Das ist natürlich eine vernetzte Ladesäule aus unserem Hause, sodass ich den Strom, den ich für meinen Dienstwagen bezahle, über die Gehaltsabrechnung oder die Reisekosten wieder zurückbekomme. Diese Möglichkeit haben alle Mitarbeiter von Schneider Electric, die ein Elektroauto fahren.

Und die zweite Komponente?

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Outfit on Fleek – sogar die Socken

Wir haben mehr als 20 Standorte in Deutschland und alle haben eine Ladeinfrastruktur, die in den folgenden Monaten aber noch ausgebaut wird. Das ist das Thema „Charge@Work“: Die Mitarbeiter laden, wenn Sie auf der Arbeit sind. Da kommen Fragen auf: Wie ist das mit der Steuer, wenn wir Strom kostenlos für die Mitarbeiter anbieten? Wie ist das, wenn es ein Privatauto ist und kein Dienstwagen. Für Schneider Electric sind das Erfahrungen, die auch in die Beratung eingehen. Schließlich muss sich auch Schneider Electric fragen, ob das überhaupt wirtschaftlich ist, da 750 Elektrofahrzeuge stehen zu haben. Zahlt man da für ein Image-Thema drauf und erhält zusätzliche Kosten? Da sind tiefgründige Analysen notwendig, die wir jetzt so auch an unsere Kunden weitergeben können.

2020 scheint das Jahr der E-Mobilität zu werden. Neben Tesla drängen immer mehr E-Autos auf den Markt. Neben den deutschen Autobauern auch neue chinesische Namen wie Byton. In Brandenburg baut Tesla eine neue Fabrik. Kommt nun der große Durchbruch der E-Mobilität?

Da habe ich eine ganz klare Meinung. Ich bin der Meinung, der große Knall steht kurz bevor. In ein bis zwei Jahren wird es richtig losgehen. Für mich ist das Verhalten der großen Automobilhersteller der größte Indikator. VW ist in der Hinsicht ein Paradebeispiel, aber auch andere investieren Milliarden in die E-Mobilität. Tesla ist währenddessen inzwischen höher bewertet als beispielsweise ein General Electric. Die großen Automobiler haben sich das Thema bis jetzt ein wenig angeschaut, aber nun wirklich gemerkt, dass es im Kommen ist. Wenn sie mit ihrer Macht und Power in den Bereich investieren, werden sie auch dafür sorgen, dass diese Autos auf die Straße kommen. Das wird jetzt richtig boomen.

Dazu kommt auch noch die CO2-Strafsteuer auf EU-Ebene, die das in den Markt drückt. Parallel wächst die Infrastruktur. Ich selbst fahre mit meinem E-Auto inzwischen auch große Strecken ohne Probleme.

Also E-Mobilität für den Massenmarkt.

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Konstantin im Messeeinsatz

Was ich nicht sagen würde, ist, dass E-Mobilität für alle Zielgruppen relevant ist. Ich sehe die Technologie für Menschen, die kurze Strecken fahren, meist pendeln, und zwar nicht mehr als 300 km am Tag. Außerdem für Taxen, Pflegedienste oder Lieferdienste – also für sehr viele Zielgruppen. Es ist aber auch nicht das Allheilmittel. Wer einen Außendienstjob hat und 400 km am Tag fährt, wird auf andere Lösungen zurückgreifen müssen. Ich bin kein Fundamentalist der Elektromobilität.

„Wenn ich einen dicken Sound brauche, die Karre röhren muss und mit 220 Sachen über die Autobahn donnern will, ja da dann ist ein E-Auto das Falsche.“

Angenommen die Zahl der Autos wird sich nun drastisch erhöhen. Wie unterstützt Schneider Electric diesen Technologiesprung?

Unsere Herausforderung ist die Stabilität der Netze: Was passiert denn, wenn 2050 alle gleichzeitig von der Arbeit nach Hause kommen und ihr Elektroauto an der Ladesäule anschließen? Da kommt es zu einem riesigen Peak, also einer Stromlastspitze, die das Netz aushalten muss. Hier unterstützt Schneider Electric bei der intelligenten Energieverteilung, denn das ist unsere DNA und Kernkompetenz. Wir bieten Lösungen, die das Netz stabil halten. Ein Beispiel ist das dynamische Lastmanagement: Das bedeutet, abends komme ich vielleicht nach Hause und mein Auto hat noch 80 Prozent Akku. Normalerweise würde eine Säule versuchen das Auto volle Kanne zu laden, bald ist dann ganz schnell voll und lädt die ganze Nacht nicht mehr. Das ist schön und gut, wenn ich schnell weiterfahren muss, aber wenn das Auto nicht mehr bewegt wird, ist es ja egal, ob es in einer Stunde lädt, oder ganz langsam über 8 Stunden. In diesem Fall kann das dynamische Lastmanagement die Ladeleistung reduzieren, und das Netz bleibt stabil.

Dann muss das Netz aber auch wissen, dass gerade ganz viele Autos angeschlossen werden. Eine intelligente Ladesäule reicht also nicht.

Wir als Schneider Electric haben auf der einen Seite die Netzsicht: Wir haben den Mittelspannungsbereich und wissen, wie die Anschlussbedingungen sind. Zum anderen können wir die Daten auch ins Gebäude bringen – das ist auch unsere Kernkompetenz. Wir sind einer, der die Infrastruktur intelligent ins Netz und intelligent ins Gebäude bringen kann. Intelligentes Netz bedeutet, wie erwähnt, das dynamische Lastmanagement. Ein intelligentes Gebäude meint, dass wir die Daten der Ladesäulen in das Gebäudemanagement integrieren können. Ein Beispiel wäre ein Wohnbau mit Ladesäulen und ich möchte wissen, wie viel denn da im letzten Jahr geladen wurde. Oder ich möchte, dass meine Ladesäulen vor allem dann laden, wenn die Sonne auf meine Solaranlage auf dem Dach scheint. Auch hier bieten wir die passenden Lösungen.

Was glauben Sie ist momentan die größte Hürde der E-Mobilität? Kann Schneider Electric daran etwas ändern?

Ich glaube die größte Hürde ist, ehrlich gesagt, die Angst vor dem Unbekannten. Ich erlebe das selbst. Ich und viele meiner Kollegen haben inzwischen E-Autos. Diese Angst, stecken zu bleiben und nicht laden zu können ist allgegenwärtig. Ich glaube, auch das Unwissen der Menschen stellt eine weitere Hürde dar. Es bedarf ganz viel Aufklärung und wir von Schneider Electric sind da auch ein Vorbild. Wir leben E-Mobility ja und können ganz viel Erfahrung mitgeben. Wie gesagt, es gibt auch Fälle, wo E-Mobilität keinen Sinn macht. Wenn ich einen dicken Sound brauche, die Karre röhren muss und mit 220 Sachen über die Autobahn donnern will, ja da dann ist ein E-Auto das Falsche. Für alle anderen, wo die Rahmenbedingungen stimmen, muss man aufklären, Angst nehmen und sich dann nur um das Thema laden kümmern – also zuhause, auf der Arbeit und unterwegs. Dann ist E-Mobility auch heute schon kein Problem, denn ca. 80% der Ladevorgänge finden zu Hause oder auf der Arbeit statt.

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Konstantin Elstermann

Konstantin Elstermann ist mit 34 Jahren der Dienstälteste in seinem Team. Sie gelten als Start-Up im Konzern, um immer schnell auf jede Marktgegebenheit reagieren zu können. Er selbst ist Dipl. Wirtschaftsingenieur für Elektro- und Energietechnik. Schon während des Studiums waren die Themen „Smart Grid“ und „Smart Buildings“ sein Steckenpferd. Wer Interesse hat, in seinem Team mitzugestalten, sollte in erster Linie Engagement für das Thema und ein gutes Netzwerk in dem Bereich mitbringen – das sei wichtiger als technisches Know-How. Seine eigene Entwicklung bei Schneider Electric bezeichnet er selbst als außergewöhnlich: „Die Stelle, die ich habe, habe ich mir gewünscht. Ich wollte zurück zum Thema ‚Smart Grid‘. Und so wurde extra diese Stelle für mich geschaffen. Wo findet man sowas noch?“ Genau, bei Schneider Electric.


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